18. April 2004: Brief aus Chile

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Liebe Freunde und Wohltäter der Mädchen in Traiguen, Chile:
Wir haben und werden das ganze Jahr grosse Schwierigkeiten zu bewältigen haben, in unserem Kinderheim. Ich muss Ihnen die traurige Nachricht mitteilen, dass wir am 31.12.04 unser Kinderheim aufgeben müssen. Inzwischen arbeiten wir ohne Unterlass am Platzieren unserer Mädchen.
 
Die Ausrichtung der Staatlichen Sozialpolitik hat sich in den zwei letzten Jahren um 180 Grad gewendet. Langsam wurden verschiedene soziale Instanzen (Dienststellen, Administrationen) gegründet z.B.:
"Ganz- Tages-Schule" mit Frühstück und Mittagessen für Notdürftige.
"Projekt Brücke" für Nachhilfe bei Wohn-, Kleider- Nahrungsproblemen.
"Tageshorte" für Kleinkinder, deren Mütter arbeiten.
"Protektionsbüro" wo Kinder und Erwachsene Hilfe suchen und Klage einreichen können bei Gewalttat, Trunk- und Drogensucht, Vergewaltigung, Inzest, etc. Dieses Büro wird von 2 Sozialassistenten und 2 Psychologen geführt und steht in Verbindung mit der Staatsanwaltschaft (eine Art Gerichtshof).
Paralell wurde den Kinderheimen die staatliche Subvention langsam entzogen, ohne zu erwähnen, dass wir schlussendlich ersetzt sind.
 
Durch das ganze Jahr 2003 wurden wir gedrängt, die Kinder zu platzieren; und vom staatlichen "Sammelzentrum" ein Kind aufzunehmen, sobald ein Platz frei wurde. Dann begann der Platzierungsprozess von Neuem:
Familie oder Verwandte aufsuchen und sie auf die Annahme des Kindes vorbereiten, und ihnen helfen alle Schwierigkeiten zu überwinden. Das Kind in die Familie integrieren und die Situation während einiger Zeit überwachen.
Elternlose Kinder im staatlichen Adoptionsbüro einschreiben, den psychologischen und sozialen Rapport beifügen, und das Kind betreuen, pflegen und erziehen bis zur "Abgabe" an die Pflegeeltern.
 
Höchst-Heimaufenthalt drei Jahre. Unsere Mädchen registrieren einen Heimaufenthalt zwischen 3 und 12 Jahren. So schnell sind wir zu einer Platzierungsanstalt ausgeartet; und die integrale Bildung der Mädchen ist nicht mehr gewährleistet! Heute leben wir zu 50% von den Spenden aus Europa. In ca. 2 Jahren müssen die letzten, privaten Kinderheime, wegen den staatlichen Zwangsvorschriften und der geringen Unterstützung geschlossen werden. Wir dürfen nicht abwarten, bis wir in den Schulden ersticken.
 
Die diesjährige Arbeit hat sich sehr erschwert. Wir benötigen Gottes Rat und Beistand in Hülle und Fülle, damit wir:
die Mädchen in eine gute, geeignete Familie integrieren können;
das Personal eine passende Anstellung findet;
dass beim grossen Widerspruch die harmonische Zusammenarbeit siegt;
und wir alle gesund und gestärkt aus dem Chaos hervorgehen und in einem anderen sozialen Werk den Hilflosen beistehen können.
 
Beten wir füreinander! Die einzige und besÜmmt auch die beste Hilfe kommt uns nur vom Vater im Himmel. Mit grosser Freude und Wehmut schaue ich zurück auf die vielen Jahre mit wohlwollender Begleitung und tatkräftiger Hilfe vieler Woltäter in der Schweiz; welche es uns ermöglichten hunderte von Mädchen in soliden Lebensprinzipien zu bilden.

Der Segen und die Kraft Gottes begleite Sie! Mit herzlichen Dankesgrüssen
Schwester Dora Bieler.
Das Heimteam und die Mädchen.