5. Oktober 2004: Brief aus Bolivien

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Liebe Mitchristen von Fislisbach,
ich schicke Ihnen einen ganz herzlichen Gruss aus Reyes, wo wir dem Frühling entgegengehen. Allerdings spüren wir in den Tropen den Unterschied der Jahreszeiten kaum, ausser dass es in den ersten Monaten des Jahres mehr regnet und feuchter ist als im Juni bis Dezember. Zur Zeit haben wir ohne weiteres zwischen 30 und 38 Grad tropisch feuchte Wärme.
Ihnen möchte ich von Herzen danken fur die Missionsgabe, die Sie durch eine Missionsaktion für Bolivien gesammelt habt. Mit dieser Gabe führen wir in San Borja das Werk weiter, woran P. Fridolin Günter so viele Jahre gearbeitet hat. Heute arbeiten dort drei Diözesanpriester. Danke für dieses Mittragen unserer Missionsarbeit, die sehr vielfältig ist und sich vor allem um die Besserstellung und Mentalisierung der Armen und Kleinen in der Pfarrei kümmert. Vergelt's Gott.
Vor drei Tagen erst bin ich aus Europa nach Bolivien zurückgekehrt. Mons. Crescenzio Kardenal Seppe, Präfekt der Kommission für die Glaubensverbreitung in Rom hatte uns zu einem Weiterbildungsseminar gerufen. 120 Bischöfe aus Missionsländern Lateinamerikas, Afrikas, Ozeaniens und Asiens sind in Rom zusammengekommen. Wir haben während zwei Wochen durch viele Referate und lange Gruppenarbeiten über unsere Missionen, über unsere bischöflichen Aufgaben in den Ortskirchen dieser Missionländer nachgedacht. Wir hatten auch viele Möglichkeiten unter uns Bischöfen Erfahrungen auszutauschen und uns der sehr unterschiedlichen Problemen der Kontinente bewusst zu werden. Der Reichtum dieses Austausches hat uns auch als Weltkirche erfahren lassen und wir haben gemerkt, dass wir in den ganz unterschiedlichen Kulturen und Lebensweisen für eine einzige Kirche Jesu Christi arbeiten, eine Erfahrung, die Mut und Kraft gibt, an Ort für das Gute einzustehen und die Leute auf ihrem Weg des Glaubens und des Suchens ein stückweit begleiten zu dürfen. Ich persönlich bin sehr dankbar für diese Zeit der Begegnung.
Hier in Bolivien habe ich relative Ruhe angetroffen. Obschon es in La Paz noch Protestmärsche gibt, hat sich die Gesammtsituation seit etwa 3 Monaten beruhigt. Die Probleme sind noch da, werden aber bearbeitet und es wird nach guten Lösungen gesucht. Hoffentlich können tatsächlich Lösungen gefunden werden, die dem Volk insgesammt und den vielen armen Familien im Einzelnen zu gute kommen.
Ich wünsche Ihnen einen schönen und farbigen Herbst. Der Herrgott möge Sie mit seinem Segen immer begleiten. Im Namen unserer Leute sende ich Ihnen ganz herzliche und dankbare Grüsse aus aus Reyes, Bolivien.

Ihr Mons. Carlos Bürgler, Bischof vom Viktariat Reyes