5. Juli 2004: Brief aus Chile

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Liebe Freunde in Fislisbach:
 
Mit Ihrem grossen Geschenk von Fr. 1.520,80 haben Sie uns eine Riesenfreude und Erleichterung gebracht. Der liebe Gott vergelte Ihnen Ihre Wohltat! Mit Ihrer Spende kaufen wir Nahrungsmittel, bezahlen Arzt und Medikamente. (Dieses Jahr ist die Subvention so karg, dass sie nur für Löhne, Wasser, Strom, Telefon und Reparaturen ausreicht.)
 
Die grosse Umstellung, welche sich während den letzten drei Jahren entwickelte, uns Ende Jahres in gefährliche Geldnot brachte und im Februar dieses Jahres mit noch grösseren Zwangsvorschriften überraschte, habe ich in einem Brief an die Freunde des Kinderheimes zusammengefasst und lege ihn bei. Denn unseren treuen Wohltätern fallt diese Massnahme schwer und unbegreiflich. Ich stelle mir vor, dass Sie sich ähnliche Bedenken machen.
 
Es ist schmerzlich unsere Kinder zu platzieren, dafür andere vom Sammelzentrum aufzunehmen, und in der verrückten Platzierungsarbeit unsere Tagesbeschäftigung zu sehen. Wir schaffen und mühen uns für jedes unserer Heimmädchen den geeignetsten Platz zu finden, der Mutter, wenn allein stehend, die materiellen Probleme zu lösen und dann "Amen". Diese Prozedur ist unmenschlich und auf die Länge nicht auszustehen. Die Kinder erleben eine unglaubliche Unsicherheit welche kein Psychologe heilen kann. Sie sträuben sich in ein anderes Heim zu gehen. Das ist jetzt unsere nackte Realität, der wir direkt ins Gesicht schauen müssen und danach handeln. Jede erzieherische "Nebenbeschäftigung", wie: Chorgesang, Sport, Haustierpflege, Stützunterricht, mussten wir aufgeben, und uns der Integration widmen, mit der aussergewöhnlichen, bürokratischen Arbeit (6 monatliche Rapporte für jedes Kind). Zwei Psychologinnen und der Sozialassistent helfen uns die Integration zu fördern, organisieren, überwachen und verwirklichen.
 
Für uns ist diese Situation sehr traurig und hart. Die Kinder überbrücken die kommenden Mängel mit der Freude in der Familie zu leben. Die soziale Situation der Randfamilien hat sich in den letzten Jahren verbessert, das natürlich im Begriff der dritten Welt.
 
Liebe Freunde in Fislisbach, treu verbunden im Gebet und dankbar für die jahrelange Hilfe, wünschen wir Ihnen Gottes Segen und grüssen herzlich

Schwester Dora Bieler