30.07.2005: AZ Wunschportrait Theo Weibel

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"Ja, es gibt noch Wunder"

Wunschportrait V Theo Weibel kümmert sich als Katechet um die Sorgen und Nöte von Jugendlichen.
 
"Es ist schön, mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten", erzählt Theo Weibel fröhlich. Der Katechet und Jugendseelsorger ist seit einem Jahr von der Katholischen Kirchgemeinde Fislisbach angestellt und begeistert von seiner Arbeit. Seine Aufgaben als Katechet umfassen die Bereiche Ministranten, Jungwacht-Blauring und den Religinonsunterreicht ab der fünften Klasse.
 
Von der Uni in die Kirche
Mit der Kirche hat sich Theo Weibel schon immer verbunden gefühlt: Bis zu seinem zwanzigsten Lebensjahr war er Ministrant und engagnierte sich bei der Jungwacht. Trotzdem wählte er nach seiner Schulausbildung einen "weltlichen" Beruf und wurde Laborant an der Universität in Zürich. Bald merkte er, dass ihn diese Arbeit nicht erfüllte. "Ich wollte etwas verändern in meinem Leben", erzählte er, "deshalb habe ich meinen Beruf aufgegeben und mir eine dreijährige Auszeit in einem Franziskanerkloster genommen."
Während dieser Zeit dachte er in Ruhe über sein Leben nach und merkte, dass ein Herz für Jugendliche schlug. Deshalb beschloss er schliesslich, sein Leben vollständig umzukrempeln und Katechet zu werden.
 
Diskutierrunden im Pfarrhaus
Seine Haupttätigkeit in Fislisbach ist das Erteilen von Religionsunterreicht. Besonders am Herzen liegt ihm dabei der Unterreicht der Oberstufenschüler. Dieser findet jeweils an einem Abend in der Woche im Pfarrhaus statt. Theo Weibel zieht diese Räumlichkeiten der Schule vor, weil so die Zeit von den Jugendlichen mehr als Freizeit empfunden wird.
An diesen Abenden versucht er biblische Themen "jugendgerecht" aufzugreifen, um den Glauben für die Schüler interessant zu machen. So wird bespielsweise lebhaft und intensiv über aktuelle oder jugendrelevante Fragen diskutiert. Dabei tauchen Themen auf wie "Wieso gibt es Gewalt?", "Wieso gibt es Terror und Ungerechtigkeit?" oder "Wieso gibt es so viele Konflikte zwischen den Religionen?". Diese Fragen versucht Weibel dann mit grosser Geduld zu beantworten. Er achtet aber darauf, dass die jugendlichen in die Gespräche einbezogen werden. "Mir ist es sehr wichtig, dass sie zu Wort kommen und ihre Meinung offen kundtun können", erklärt er.
 
Ein offenes Ohr für Jugendliche
Die "Oberstufentreffs", so heisst der Religionsunterricht der Oberstufenschüler, scheinen sehr beliebt zu sein. Obwohl der Religionsunterricht ab der vierten Oberstufe freiwillig ist, kommen über zwei Drittel freiwillig an einem Abend im Monat im Pfarrhaus zusammen. Dort diskutieren sie dann gemeinsam mit Theo Weibel über Themen, die sie beschäftigen. "Das ist schon ermutigend", sagt Theo Weibel lächelnd. An seinem Beruf schätzt er vor allem den häufigen Kontakt zu den Menschen und die Möglichkeit, Jugendlichen bei ihren Sorgen und Nöten zur Seite zu stehen und ihnen dabei zu helfen. Seine Tätigkeit hat manchmal aber auch Schattenseiten: "Wenn die Jugendlichen nicht zu einem Gottesdienst erscheinen, den wir gemeinam vorbereitet haben, oder sich die Ministranten nicht abmelden, und am Sonntag einfach fernbleiben, ist das schon enttäuschend für mich", erzählt er.
 
Inspiration durch die Natur
Grundsätzlich gefällt es ihm aber sehr gut ihn Fislisbach: "Ich fühle mich wohl und habe einen guten Draht zu den Jugendlichen hier", sagt er fröhlich. "Klar gibt es auch Probleme, doch die guten Aspekte überwiegen deutlich."
Seine Freizeit verbringt der aufgestellte Katechet oft mit Lesen, Fotografieren oder Velofahren. Er ist ein sehr naturverbundener Mensch, der seine Zeit gerne im Wald verbringt. Dort, und im Glauben an Gott, findet er auch den Halt, den er für seine Arbeit braucht. Manchmal findet er in der freien Natur auch Inspirationen für seine Tätigkeit als Religionslehrer. Beim Betrachten der Natur kam er beispielsweise auch auf das Thema Wunder. "Gibt es noch Wunder?" Diese Frage hat er dann zusammen mit den Jugendlichen im Religionsunterricht besprochen. Er selbst meint dazu: "Ja, es gibt noch Wunder, die Natur ist das beste Beispiel dafür."
 
Dieses Portrait wurde von Esther Schoch aus Fislisbach gewünscht.

Ausgabe Aargauer Zeitung vom 30. Juli 2005
Regionalteil Baden
Text: Patricia Baumgartner