Ökumenischer Suppentag am Sonntag, 27. Februar 2005

Ökumenischer Suppentag am Sonntag, 27. Februar 2005

10.30 Uhr Ökumenischer Gottesdienst in der reformierten Kirche Fislisbach
mit dem Männerchor Fislisbach, Kollekte zu Gunsten des Projektes Kievkids
10.30 Uhr Fiire mit de Chliine im Kirchgemeindehaus
10.30 Uhr Kinderkirche für Schulkinder im Kirchgemeindehaus
11.30 Uhr Suppentag im reformierten Kirchgemeindezentrum
Auftakt Männerchor
Anschliessend: Suppenessen zu Gunsten des Projekts Kievkids

 

Strassenkindern eine Zukunft geben

Suppentag sammelt zu Gunsten des Hilfswerks Kiewkids
 
Bereits zum zweiten Mal wird am ökumenischen Suppentag in Fislisbach für ein Heim für Strassenkinder in Kiew gesammelt. Das Heim wird von Schweizern geführt. Der Suppentag ist am Sonntag, 27. Februar.
Es hat sich viel getan im Kinderheim Sunshine in Kiew, seit die Fislisbacherinnen und Fislisbacher vor zwei Jahren ihre erste Sammlung für Kiewkids lancierten. Bereits wird das zweite Haus ausgebaut, in dem die Kinder nach der Therapie nach dem Prinzip einer Grossfamilie leben werden. Das Haus soll nach dem Ausbau eine rund doppelt so grosse Wohnfläche haben als heute. Das Sunshine wird nach dem Ausbau rund 22 bis 24 Kinder betreuen können (heute sind es zwölf).
Im alten Sunshine-Haus werden nach wie vor zwölf ehemalige Strassenkinder wohnen können, die durch einen Therapieprozess gehen. Sobald das neue Haus in Betrieb ist, werden acht Kinder schrittweise in die Grossfamilie wechseln. Im ersten Stock des neuen Hauses wird zusätzlich ein Hostel eingerichtet, in dem vier weitere ehemalige Sunshine-Kinder Platz finden, die noch nicht selbständig sind. Sie werden dort ein Zimmer mieten können und bleiben unter Aufsicht, bis für sie eine taugliche Arbeit und Wohngelegenheit gefunden wird. Insgesamt wird Sunshine künftig 22 bis 24 Kinder betreuen.

Freiwilligenarbeit aus der Schweiz

Diese Arbeiten an den Häusern wurden und werden in erster Linie durch freiwillige Helferinnen und Helfer, zumeist Handwerker, aus der Schweiz erledigt, die das Werk auf diese Weise unterstützen.
So konnte im alten, bestehenden Haus kurz vor Winterbeginn die Heizung ersetzt werden. Das neue Haus verfügt dagegen noch nicht über eine Heizung, da das Geld - rund 14'000 Dollar - noch fehlt.

Heim von Schweizern geführt

Geführt wird das Heim nach wie vor von der Schweizer Sozialpädagogin Nathalie Wnuk und ihrem polnischen Ehemann Marek. Bereits konnte das Sunshine drei Kinder erfolgreich in eine neue Familie vermitteln. "Unsere grössten Erfolge", sagen Nathalie und Marek, denn auch das beste Heim könne eine intakte Familie nicht ersetzen.
Doch noch bleibt viel zu tun. Die Zahl der Strassenkinder in der Ukraine ist hoch. Laut offiziellen Angaben liegt sie bei 129000. Diese Kinder leben ohne Eltern und ohne Zuhause, die jüngsten kaum älter als drei oder vier Jahre. Sie schlafen in Kellern, Schächten und in den Zugangsstollen der Warmwasserleitungen und kämpfen jeden Tag ums Überleben. Ihr Zuhause haben sie verlassen, weil sich ihre Eltern zu wenig um sie kümmern, weil sie misshandelt wurden oder weil es schlicht nicht genug zu essen gibt. 

Ferienlager für die ärmsten Kinder

Neben dem Heim organisieren Nathalie und Marek Wnuk jedes Jahr auch mehrere Sommerlager für die Kinder der ärmsten Schichten in Kiew. Dieses Jahr waren es zwei Lager, und wie jedes Mal leiten Freiwillige aus der Schweiz eines der Camps. Sie sind mit einem Minibus angereist und haben Unmengen an Bastelmaterial, Spielsachen, Süssigkeiten und Pflegesachen von Haarwaschmittel bis Zahnbürsten gebracht. Wie jedes Jahr stammten praktisch alle Kinder aus den ärmsten Familien. Viele kamen aus alkoholabhängigen Familien, waren verhaltensauffällig und zeigen einen grossen Mangel an Liebe und Aufmerksamkeit. Das Lager hat allen gut getan.

Missbraucht und verlassen

Zu den neuen Bewohnern des Hauses gehören Dascha und seine Schwester Dima. Ihr Schicksal steht stellvertretend für das Schicksal von Tausenden von Strassenkindern in Kiew. Während Dascha offen und fröhlich ist, ist Dima verschlossen und verstört. Marek Wnuk vermutet, dass es mit ihren Erlebnissen zusammen hängt, denn das Mädchen musste zuschauen, wie sein Vater getötet wurde, dann verschwand seine Mutter. Im Sunshine wissen sie wenig über die Geschwister. Sie wurden an einem Bahnhof aufgegriffen, kamen in ein Kinderkrankenhaus in Kiew, von wo sie in eine Familie platziert wurden. Doch von dort wurden sie wieder weggegeben in ein Heim. Niemand brachte sie zur Schule, niemand kümmerte sich um die Kinder. Über ihre Herkunft befragt, sagen sie nur: "Ich weiss nicht." Dabei schliesst Dascha seine Augen, und Dima schaut ängstlich weg.
Beide verdrängen ihre Vergangenheit: Kindsmissbrauch, Schmerz, das Verlieren von Menschen, zu denen sie Vertrauen gefasst hatten, Verlassensein. Im Sunshine wurde versucht, ihnen ihre Kindheit zurückzugeben, ihre Erinnerung mit schönen Erfahrungen zu füllen. Inzwischen konnten Dima und Dascha in einer Familie platziert werden. Sie haben sich gewaltig verändert und gehen zur Schule.

Heim lebt von privaten Spenden

Das Kinderheim Sunshine wird vom Verein Kievkids mit Sitz in Münchenbuchsee getragen. Er finanziert sich ausschliesslich aus privaten Spenden. Auch von Kirchen und kirchlichen Organisationen fliessen dem Verein immer wieder Spenden zu. Der Erlös des diesjährigen ökumenischen Suppentags in Fislisbach wird vollumfänglich den Kievkids zukommen.

Internetseite von kievkids: www.kievkids.ch

 

Quelle dieser Seite: Zeitung "Am Buechberg", Ausgabe Januar 2005